| View previous topic :: View next topic |
| Author |
Message |
sammywutz Member
Joined: 12 Jan 2005 Posts: 109 Location: Bonn
|
Posted: Mon Dec 14, 2009 1:40 am Post subject: Mein Aufnahmeraum klingt grauenvoll!! |
|
|
Hi Leute,
ich hoffe ein paar von euch kennen sich mit Raumakustik aus. Folgendes: Ich habe mir ein neues Studio gebaut. Der Raum ist in zwei Hälften geteilt, die eine Seite Technik, die andere Recording, getrennt durch dicke Mauer und Schallschutzfenster. Der Aufnahmeraum, um den es geht hat folgende Maße: 3m x 4m und Deckenhöhe sind bescheidene 2,10 m. Wände, Decke und Boden liegen parallel zueinander. Ich weiss selbst: Extrem schwierig da etwas raus zu zaubern. Habe munter angefangen alle Wände komplett mit Noppenschaumstoff zu verkleiden. Und ein dicker Teppeich schmückt jetzt mein Laminat. Da ich noch nie einen Aufnahmeraum vorher gebaut habe, dachte ich, der Raum müsse Furztrocken klingen. Aber das Resultat ist wie folgt: Der Raum klingt dumpf ohne Ende, irgendwie sind meine Mitten weg, die Höhen merkwürdig verzerrt und es wirkt total drückend. So ein wenig als hätte man Druck auf den Ohren. Also schlichtweg nicht zu gebrauchen. Daraufhin habe ich mich mit einem ehemaligen Toningenieur unterhalten. Der schaute mich nach meiner Kurzbeschreibung mit großen Augen an und meinte, dass wäre ganz normal. Es müsse so klingen. Gesangskabine, die man sich für ein paar tausend Öcken kaufen könnte, wären um einiges kleines und ausschließlich mit Noppenschaumstoff gedämmt. Wenn man ohne Kopfhörer in diesem Raum sprechen würde, wäre es immer grauenvoll. OK... das nahm ich so hin. Mikro aufgebaut, bin rüber in den anderen Raum gegangen und habe ein Freund was einsingen lassen. Das Ergebnis auch ohne Processing war echt nicht gut! Daraufhin rief ich einen anderen Toningenieur an, der sagte mir, der Raum dürfe nicht komplett tot klingen. Und Noppenschaum wäre sowieso ein Verbrechen. Habe dann mal die Ecken verkleidet und der Sound wurde minimal besser. Aber daran liegt es wohl nicht. Habe jetzt von einem anderen Zeug gehört mit dem Namen "Basotect". Hat da jemand Erfahrung mit? Soll wohl um einiges besser neutralisieren.
Jetzt meine 3 Möglichkeiten:
1. - Ich reiße einen 1 meter breiten streifen Schaumstoff ringsherum wieder raus (ungefähr auf Fensterhöhe) und verkleide diesen Streifen nur mit einer schicken Holzblende.
2. - Ich verkleide diesen Streifen mit Basotect
3. - Ich verkleide alles mit Basotect
4. - Ich verteile nur kleine Quadrate des jeweiligen Stoffes auf ein paar Stellen.
Das Problem ist, ich weiss nicht ob ich wieder eine gewisse Klarheit und Räumlichkeit zurückerlange, durch diesen Streifen. Und ausserdem weiss ich nicht, ob ich dann in verschiedenen Höhen aufgrund der unterschiedlichen Materialien verschiedene Akustiken habe.
Ich würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere mir ein paar Tipps geben könnte!!!!
Vielen Dank!
Gruss Ben |
|
| Back to top |
|
 |
Kubaez Senior Member
Joined: 03 Oct 2005 Posts: 1056 Location: Switzerland
|
Posted: Mon Dec 14, 2009 2:06 pm Post subject: Re: Mein Aufnahmeraum klingt grauenvoll!! |
|
|
| sammywutz wrote: | | Habe munter angefangen alle Wände komplett mit Noppenschaumstoff zu verkleiden. |
Das war leider -- trotz aller Munterkeit -- falsch.
Ich bin zwar kein Fachmann auf dem Gebiet, aber genau die von Dir beschriebene "tote" Kabine habe ich auch schon gebaut. Nach dieser nicht so guten Erfahrung habe ich ein Konzept entwickelt, das Du vermutlich auch anwenden kannst: An den Wänden sind in einem gewissen Raster "Nägel" (Haken, Schrauben, Anmachpunkte) verteilt. Die Noppenschaumplatten werden einzeln (oder in Deinem Fall: als Zweier-, Dreier oder Vierergruppen) auf dünne Bretter (Hartfaserplatte) geklebt. Nun können sie relativ frei im Raum verteilt werden, sodass nicht der ganze Raum einfach zugepflastert ist. Danach wird immer wieder umgehängt, bis die Verteilung vom Gefühl (und von der Aufnahme) her optimal ist.
Bei der Gelegenheit könntest Du ein Aufhängesystem aus Latten herstellen, das zugleich die parallelen Wände etwas "entschärft".
Ziemlich wichtig sind die Ecken, da gibt's spezielle "Schallfallen".
Auch mobile Stellwände sind eine gute Sache, um z.B. einen Gitarren-Amp vom gesamten (= zu grossen) Raum abzutrennen.
Du kannst auch an der einen Wand eine Vorhangschiene montieren und mehrere "dicke" (= schweren) Vorhänge anbringen, die sich ebenfalls so verschieben lassen, dass die bestmögliche Abdeckung ermittelt werden kann.
Der Sinn hinter allen Massnahmen: a) Parallele Wände vermeiden b) durchgängig gleiche Oberflächen vermeiden c) verschiedene "Eckchen" für verschiedene Aufgaben Einrichten (z.B. Ecke mit Holzrost für akustische Gitarre, Ecke mit harten Wänden für Schlagzeug).
Ist halt ein "Versuch-Irrtum"-Weg, aber so wirst Du mehr von Deinem Raum haben als mit einer durchgeplanten, aber starren Variante. Ausserdem wird sich die Mikrofon-Plazierung ebenfalls extrem auf den Sound auswirken, also ist "Experimentieren" nicht nur eine Möglichkeit, sondern ein Gebot.
PS: Vielleicht können Dir ja die wirklichen Fachleute einige ganz gezielte Tipps betreffend Materialien geben, wenn Du mal beschreibst, was Du aufnehmen willst (Stimme, Chor, Piano, Schlagzeug, akustische Instrumente, ...).
PS2: Wenn Du mal Gelegenheit hast: Steig mit einer akustischen Gitarre in eine (grössere!) Heimsauna mit Holzverkleidung oder in ein Gartenhäuschen aus Holz (z.B. im Baumarkt Deines Vertrauens). Das wäre meine Grundidee für dieses Instrument. Auf Deinen Aufnahmeraum übertragen: eine solche "Holz-Ecke" wurde schon von den Blues-Gitarristen in den 1930er-Jahren bevorzugt, sie kann also nicht wirklich falsch sein. |
|
| Back to top |
|
 |
sammywutz Member
Joined: 12 Jan 2005 Posts: 109 Location: Bonn
|
Posted: Mon Dec 14, 2009 3:41 pm Post subject: |
|
|
Hi Kubaez,
dank dir für die Antwort. Auf der anderen Seite: Absoluter Horror. Ich bekomme den Noppenschaumstoff zwar wieder von der Wand, aber die Wand bekomm ich nie mehr sauber... Naja, also der Hauptverwendungszweck ist für Gesang... Die Stimme soll neutral und ohne viel Räumlichkeit klingen. Ach ja, und ein bisschen Percussion... Congas, Cow Bell, Hände klatschen. Dafür ist es auch noch gedacht!
Gruss Ben |
|
| Back to top |
|
 |
Kubaez Senior Member
Joined: 03 Oct 2005 Posts: 1056 Location: Switzerland
|
Posted: Mon Dec 14, 2009 4:07 pm Post subject: |
|
|
Ich würde den Noppenschaum vorerst dran lassen und das Gegenteil vom Üblichen machen: Anderes Material VOR den Noppenschaum hinstellen.
Um einige Hinweise auf "gut klingende Oberflächen" zu erhalten: Schau Dir ein paar reale Räume an, in denen die Stimme so klingt, wie Du es wünschst. Wenn Dein Aufnahmeraum fast nur für Vocals genutzt wird, kannst Du praktisch Dein "Traum-Singzimmer" hier reinkopieren (ich meine akustisch gesehen).
Anders rum gedacht: Wo würdest Du hingehen, um eine Stimme aufzunehmen? Und wie lässt sich der so gefundene Ort in Deinen Aufnahmeraum übertragen?
(Eine Anmerkung noch: Falls der Raum, so wie er jetzt ist, absolut leer sein sollte -- welch ein Luxus: 3 x 4 m für eine/n Sänger/in --, muss da unbedingt sowas wie ein "Raumteiler" rein, um die ganze ungünstige Symmetrie aufzubrechen. Sonst wirkt das wie ein "Klangtunnel", egal, ob mit oder ohne Dämpfung.) |
|
| Back to top |
|
 |
HarrySH Member
Joined: 31 May 2009 Posts: 417 Location: München, Germany
|
Posted: Mon Dec 14, 2009 6:43 pm Post subject: |
|
|
Hier kannst du mal ein paar Info´s nachlesen:
http://www.johnlsayers.com/phpBB2/index.php
Ich hatte früher auch schwarzen Noppenschaum an den Wänden, aber das schwarze Zeugs geht einem allmählich auf die Psyche. So manche meiner Freunde haben sich auch nicht gerade wohl gefühlt.
Dann war ich mal in den 90ern in einem der Dorian-Grey-Studio´s hier in der Nähe von München. Die haben das Problem ganz einfach mit Holzpanelen gelöst. Dadurch hat man keine glatten Wände und der Schall wird gebrochen. In diesem Studio war der Aufnahme-Raum ca. 30 - 40 qm groß, groß genug für eine ganze Band. Damals stand gerade mal ein Drum-Set im Raum und es war nur ein wenig Raumanteil zu hören - also nicht ganz staubtrocken.
Ich habe mir gedacht, wenn das Profi´s machen, dann werde ich mein Studio genauso herrichten. Ich habe den Noppenschaum an den Wänden gelassen und Vierkanthölzer (ca. 5-6cm) an den Wänden befestigt. Sollten so hoch sein, wie der Noppenschaum. Auf diese Hölzer habe ich dann die Panelen befestigt. Die Panelen liegen damit auch leicht auf dem Noppenschaum auf. Dadurch können die Panelen nicht anfangen zu schwingen. Sieht auch sehr gut aus. Am Boden habe ich auch Laminat und Teppich brauche ich nicht. Zusätzlich habe ich mir eine Gesangskabine, in der auch mein E-Drum steht, mit Schiebetüre gebaut. Die ist zwar nicht absolut dicht, hält aber noch eine ganze Menge Schall auf. Der Raum ist relativ Trocken. Hat allerdings bei ca. 2,5 kHz eine leichte Signal-Überhöhung bei den Vocals. Muss ich dann halt mit EQ korrigieren.
Mein Studio ist ca. 30 qm groß und habe hier auch schon Bands aufgenommen, allerdings muß der Drummer hier auf´s E-Drum umsteigen. Ein Acousticset zu mikrofonieren, das tue ich mir nicht an.
Was bei dir zum Problem werden könnte, ist die Raumhöhe. War denn der Raumanteil besser ohne Noppenschaum?
Hier sind nochmal Bilder von meinem Studio, damit du dir das vorstellen kannst. Ist teilweise mit Fischauge fotografiert, sonst bekomme ich nicht alles drauf.
http://img121.imageshack.us/img121/5957/studiov.jpg _________________ Liebe Grüsse
Harry |
|
| Back to top |
|
 |
sammywutz Member
Joined: 12 Jan 2005 Posts: 109 Location: Bonn
|
Posted: Tue Dec 15, 2009 12:26 am Post subject: |
|
|
Grüß dich Harry!
Also die Idee mit den Panelen gefällt mir sehr! Würdest du denn jetzt, wo du die Wände verkleidet hast, sagen, dass du einen neutralen Sound in deiner Kabine hast? Oder ist der Hall-Anteil wieder angestiegen? Also der Raumanteil war enorm, bevor ich den Noppenschaumstoff angebracht hatte. Einfach viel zu viel. Und hinzu kam ein ekliger Flatter-Hall, der wohl durch die geringe Höhe und parallele Lage zwischen Decke und Boden zustande kam. Jedoch weiss ich, dass ich das mit einem Quadrat Schaumstoff und einem Teppich einigermaßen in den Griff bekommen kann. Ich kann bei dieser geringen Deckenhöhe ja keine Schräge einbauen... also muss ich die Schalldiffusion durch Materialien hervorrufen. Also ich war vor kurzem in der Saune eines Freundes zum Testen. Und der Klang war hallig, hochtonlastig und leicht metallisch. Wenn ich das auch haben sollte nach einer Verkleidung mit Wandpanelen, wäre es natürlich sehr enttäuschend. Jedoch weiss ich nicht, wieviel der schaumstoff hinter den Panelen bei dir ausmacht... Was hältst du von der Idee mit dem Entfernen eines Streifens ringsherum?
LG Ben |
|
| Back to top |
|
 |
HarrySH Member
Joined: 31 May 2009 Posts: 417 Location: München, Germany
|
Posted: Tue Dec 15, 2009 2:39 pm Post subject: |
|
|
Hi sammywutz,
in meinem Studio, ist ja praktisch ein umgebauter Hobbyraum, habe ich früher mit einer fünfköpfigen Band geprobt. Am Anfang waren noch 2 größere Schränke und eine Eck-Couch in dem Raum. Zu dieser Zeit waren die Wände noch glatt, aber die Möblierung und die Musikanlagen der Bandmitglieder haben dafür gesorgt, daß kaum Hall aufgetreten ist und vor allen Dingen war der Schall nach draußen sehr gering. Nachdem unsere Band immer mehr an Boxen und Amp´s angeschafft hatte und wir unsere PA auch im Raum unterbringen mußten, habe ich die ganzen Möbel rausgeworfen. Und plötzlich war es nach draußen tierisch laut. Sogar die Nachbarn haben sich beschwert. Das lag aber auch daran, daß wir seltsamerweise über einen längeren Zeitraum immer lauter gespielt haben. Der Hallanteil ist jedoch in etwa gleich geblieben.
Als ich dann meinen Hobbyraum komplett ausgeräumt habe, war ich natürlich auch mit einem immensen Hall konfrontiert. als erstes habe ich das Laminat verlegt. Das habe ich schon in etlichen Studio´s gesehen, Laminatboden scheint also auch unter professionellen Gesichtspunkten zu funktionieren. Nachdem ich die Panelen an den Wänden hatte, war der Hall schon sehr eingeschränkt, aber immer noch zu viel des guten. Der Noppenschaum hinter den Panelen dürfte meiner Meinung nach keine Wirkung mehr auf den Hall haben. Nachdem der Schaum eh schon an den Wänden befestigt war, habe ich nur noch an bestimmten Stellen die Vierkanthölzer an der Wand verschraubt. Die Panelen liegen so ganz leicht auf dem Noppenschaum auf, was dazu führt, daß die Panelen durch den Schall nicht in Schwingung geraten.
Durch meine Gesangskabine laufen Heizungsrohre, die ich auch mit Holz verkleidet habe. Außerdem hängen an 2 Ecken Boxen. Dadurch ist der Raum nicht rechteckig. Trotzdem habe ich noch Hall in dieser Kabine. Ein bisschen zu viel, deshalb decke ich mein Drumset bei Gesangsaufnahmen mit einem dünnen großen Tuch ab und schon wird einiges an Raumhall geschluckt.
Das mit dem Entfernen eines Streifens musst Du ausprobieren, schwer zu sagen. Der Raum ist wahrscheinlich im Moment leer, dann ist eine Hallfahne ganz normal. Wenn da mehrere Boxen etc. drin stehen, kann es schon ganz anders aussehen. Für Gesangsaufnahmen kannst Du dir auch z.B. drei Absorber kaufen und diese um den Sänger aufbauen, zur Regie hin offen; praktisch nochmal eine veränderbare Gesangsbox. Kubaez hat das ja auch schon angesprochen. Und 12 qm für nen Gesang ist schon etwas großzügig.
Der Raum sollte auf jeden Fall nicht komplett tot sein. Lieber ein bisschen Raumhall, den man dann gegebenfalls durch Absorber noch verkleinern kann. _________________ Liebe Grüsse
Harry |
|
| Back to top |
|
 |
terragong Member
Joined: 11 May 2005 Posts: 128
|
|
| Back to top |
|
 |
sammywutz Member
Joined: 12 Jan 2005 Posts: 109 Location: Bonn
|
Posted: Thu Dec 17, 2009 7:45 pm Post subject: |
|
|
OK, dank dir nochmal Harry und Kubaez für eure Hilfe! Und terragong, den Link werde ich mir mal genauer anschauen! Ich berichte euch wies ausschaut!
Gruss Ben |
|
| Back to top |
|
 |
|
|
|
You cannot post new topics in this forum You cannot reply to topics in this forum You cannot edit your posts in this forum You cannot delete your posts in this forum You cannot vote in polls in this forum
|

Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
|